Veröffentlicht von Wiebke Köhler am Mo., 23. Mär. 2020 07:00 Uhr

Gedankensplitter zu Losung und Lehrtext am 23. März

 

HERR, du bist's allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist.

Nehemia 9,6  

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.

Apostelgeschichte 14,17  

„Kein Rückzug ins europäische Schneckenhaus“ so forderte eine Journalistin im Deutschlandfunk angesichts der Lage an der türkisch-syrischen und der türkisch-griechischen Grenze. Und es wird wohl wieder miteinander geredet und verhandelt. Das ist bitter nötig. Genauso, wie die furchtbare Situation der Flüchtlinge auf den griechischen Inseln nicht einfach in Vergessenheit geraten darf.  

Schneckenhaus ist gut, wenn man dadurch dem Corona-Virus das Spielfeld entziehen kann. Aber es ist keine Strategie für alle weiteren akuten Problemlagen. Den minderjährigen Flüchtlingen, die von einigen europäischen Ländern aufgenommen werden sollen, muss jetzt geholfen werden.  

Wir gewöhnen uns gerade an unser Schneckenhaus-Dasein. Aber die Losung von heute reißt den Himmel auf und spricht von anderen Himmelssphären, von großen kosmischen Dimensionen.

Für alle von uns habe ich Nehemia noch einmal nachgeschlagen. Er war eine Art politischer Verwaltungsbeamter der Perser, der die durch die Babylonier zerstörte Stadtmauer in Jerusalem wiederaufgebaut hat. Er organisierte Strukturen und setzte politische Positionen durch. Aber er feiert auch mit den anderen aus Babylon heimgekehrten Juden Laubhüttenfest im noch nicht wieder aufgebauten Jerusalem. Das Bußgebet aller Versammelten beginnt mit den Worten unserer heutigen Losung.  

Gott wohnt über vielen Himmeln. Wir wohnen unter vielen verschiedenen Himmeln. Rückzug ins Schneckenhaus blendet diese Perspektive aus. Egoistisches und chaotisches oder selbstmitleidiges Verhalten ist unangemessen. Das notwendige Exil in die Privatheit entlässt uns nicht in eine Verantwortungspause.  

Aber auch das Gegenteil ist wahr. Man kann es aus dem Zusammenhang der Apostelgeschichte entnehmen: der Lehrtext zitiert hier einen Vers aus einer Verteidigungsrede des Paulus, der gemeinsam mit Barnabas nach einer wunderbaren Heilung eines Gelähmten für einen der Stadtgötter in der Stadt Lystra gehalten wird. Paulus und Barnabas stellen das richtig. Sie sind nicht Zeus oder Hermes, sondern sterbliche Menschen.  

Verantwortungsdefizit durch Schneckenhaus ist falsch und Selbstvergötterung gepaart mit Selbstüberschätzung auch keine Lösung. Über uns und allen Menschen wölbt sich der Himmel – gestern blau und goldstrahlend. Wir Christen sehen in ihm auch eine Ermutigung Gottes, ein Zeichen seiner Herrlichkeit. Das soll unsere Herzen mit Freude erfüllen und uns für alles, was wichtig bleibt, stärken.  

Ihre Wiebke Köhler


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